„Manchmal schreibt das Leben die unglaublichsten Drehbücher." Henrik Lehnhardt nahm die Zuhörer mit ins Jahr 2020, inmitten der Herausforderungen der Pandemie, als er an einem Kommunikationsseminar bei Rene Borbonus in Hersbruck teilnahm. Der Zufall führte ihn dort zu einem Übungspartner, der sich intensiv auf ein Gespräch mit einem schwierigen und anstrengenden Kunden vorbereitete. Doch am zweiten Abend nahm die Geschichte eine Wendung, die wie aus einem Film zu stammen schien: Auf dem Weg zum Auto hielt ihn der Übungspartner plötzlich auf. Mit einem nervösen Lächeln las dieser laut das Nummernschild von Lehnhardts Wagen vor – und die Erkenntnis traf beide wie ein Blitz. „Das ist doch jetzt nicht dein Ernst, oder?“ fragte der Mann. Er war Geschäftsführer eines Unternehmens und befand sich zu diesem Zeitpunkt in einem langjährigen Rechtsstreit gegen Lehnhardts Unternehmen. Eine Klageschrift, unterschrieben von Lehnhardt selbst, war erst vor wenigen Tagen zuvor an ihn abgeschickt worden. „Die Situation hätte nicht absurder sein können“, schilderte Lehnhardt. Dort standen sie, zwei vermeintliche Gegner und Geschäftspartner, die sich durch Zufall als Übungspartner in einem Seminar wiederfanden. „Ich konnte sehen, wie ihm die Anspannung ins Gesicht geschrieben stand, aber wir beschlossen zu reden – ganz ohne Anwälte, ohne Vorwürfe, nur wir beide.“ Was folgte, war ein intensiver Austausch – von den Seminarübungen inspiriert, aber nun mit enormem persönlichem Gewicht. Bei einem Glas Rotwein schafften sie es, die erste Brücke zu schlagen. „Er gestand mir, dass wir sein wichtigster Kunde sind und einen erheblichen Prozentsatz seines Jahresumsatzes an uns hängen. Er konnte und wollte uns nicht verlieren. Ich erwiderte, dass wir ebenfalls weiterhin auf ihn angewiesen sind. Das war der Wendepunkt. Wir fanden nicht nur eine Lösung für den Konflikt, sondern entwickelten ein gegenseitiges Verständnis, das alle Erwartungen übertraf.“ Aus dieser ungewöhnlichen Begegnung leitete Lehnhardt drei zentrale Impulse ab, die er dem Publikum mitgab: 1. Respektvolle Kommunikation öffnet Türen und schafft Vertrauen. 2. Vom Standpunkt zum Bedürfnis: Wer die wahren Bedürfnisse seines Gegenübers versteht, findet Lösungen für scheinbar unüberwindbare Probleme. 3. Eine entspannte Atmosphäre, beispielsweise bei einem Glas Rotwein, kann Wunder für die Lösung komplexer Konflikte bewirken.